Tagesgeld bei Onlinebrokern: Schnäppchenjagd für Zinsjäger

Onlinebroker locken Neukunden mit quersubventionierten Zinssätzen für Tagesgeld. Das Muster der Offerten ist immer gleich: Hohe Zinssätze werden befristet und unter Bedingungen wie einem Depotübertrag eingeräumt. Der Mehrwert für Zinsjäger erreicht häufig einige hundert Euro "“ zugreifen lohnt sich deshalb.

Nachrechnen lohnt sich: Wie viel legt der Broker drauf?

Cortal Consors bot Neukunden mit einem vollständigen Depotwechsel im März 2015 3,00 Prozent Zinsen für Tagesgeld. Der Sonderzins wurde für Guthabenanteile bis 20.000 Euro und die ersten zwölf Monate nach der Eröffnung des Tagesgeldkontos eingeräumt. Zum selben Zeitpunkt waren auf dem "regulären"œ Markt für Tagesgeld bestenfalls 1,40 Prozent Zinsen erhältlich "“ ohne langfristige Zinsgarantie. Wird der Zinssatz in Höhe von 1,40 Prozent als Vergleichsreferenz herangezogen summiert sich der Mehrwert eines so gestrickten Neukundenangebots auf 320 Euro in Form von zusätzlichen Zinserträgen. Zum Vergleich: Für die Eröffnung eines neuen Girokontos und dessen fortgesetzte Nutzung als Gehaltskonto mit großem Umstellungs- und Kommunikationsaufwand zahlen Banken selten mehr als 50,00 und praktisch nie mehr als 100,00 Euro.

Was verlangt der Broker als Gegenleistung?

Cortal Consors verlangte für den Sonderzins eine Gegenleistung: Neukunden mussten Wertpapiere im Marktwert von mindestens 6.000 Euro übertragen und mit dem Depoteinzugsformular die Löschung des Depots bei der Fremdbank beauftragen. Der übertragene Wertpapiersaldo (nicht zwingend exakt die übertragenen Wertpapiere) mussten bis zum Ende der Sonderverzinsung im Depot gehalten werden. Angebote nach dem Zuschnitt von Consors sind kein Einzelfall, sondern seit Jahren fast durchgängig bei verschiedenen Brokern Programm. Schnäppchen- und Zinsjäger profitieren in diesem Punkt von der weitgehenden Sättigung des deutschen Brokermarktes. Die Anbieter jagen sich gegenseitig Kundschaft ab und sind sind sich durchaus bewusst, Umsatz und Kundenzahl mitunter auch zulasten des operativen Betriebsergebnisses zu steigern.

Profitieren vom Kampf um Kunden

Das belegt ein Blick zur direkten Consors-Konkurrentin DAB bank. Der in München ansässige Onlinebroker lockte Neukunden im März 2015 mit 3,50 Prozent Zinsen für Tagesgeld. Der ebenfalls quersubventionierte Sonderzins wurde für Guthabenanteile bis 20.000 Euro und zwei Kalenderquartale eingeräumt. Gemessen am Referenzzinssatz von 1,40 Prozent summierte sich der Mehrwert auf 210 Euro. Eingefordert wurde der Übertrag und/oder Aufbau von Depotwerten ab 5.000 Euro und die Schließung des Depots bei der bisherigen Bank. Dass sich die Neukundenangebote von Consors und DAB bank so stark gleichen ist kein Zufall: Die beiden Platzhirsche des deutschen Brokermarktes stehen nicht nur räumlich, sondern auch strategisch nahe beieinander.

Konten nach dem Ende der Sonderverzinsung löschen

Zinsjäger mit hohen Ansprüchen an ihre Ergebnisse wissen, worauf es ankommt. In den Angebotsbedingungen der Broker werden Bestandskunden und ggf. auch Wertpapierbestände konsequent von der Teilnahme an Neukundenaktionen ausgeschlossen. Als Neukunde gilt zumeist, wer in den zurückliegenden sechs bis zwölf Monaten kein Konto bei einem Broker geführt hat. Wer die Schnäppchenjagd zur Strategie erklärt sollte Konten nach dem Ende der Sonderverzinsung deshalb konsequent löschen "“ der alleinige Abzug der Gelder hinterlässt eine Karteileiche, die später die Teilnahme an einer weiteren Aktion des Brokers unmöglich macht.

Geld nicht zu niedrigen Zinsen liegen lassen

Zum konsequenten "Zinshopping"œ gehört die fortlaufende Suche nach attraktiven Angeboten. Inkonsequente "Zinshopper"œ versäumen die Umschichtung ihrer Gelder nach dem Ende der Sonderverzinsung und belassen Guthaben zum regulären Standardzinssatz auf dem Tagesgeldkonto. Der Zinssatz reduziert sich dann nicht selten auf mikroskopische Größenordnungen. Naturgemäß werden von der Akquisitionspolitik der Broker vor allem jene Anleger begünstigt, die erstens eine gewisse Wechselbereitschaft an den Tag legen und zweitens nicht ausschließlich in Tagesgeld anlegen "“ schließlich muss auch ein Wertpapierbestand umgeschichtet werden. Die Anlage eines solchen ausschließlich zum Zwecke der Wahrnehmung von Neukundenangeboten ist nicht empfehlenswert, weil dabei die für Wertpapiere typischen Kosten und Risiken zu tragen sind.