Bundeswertpapiere: Eine Alternative zu Festgeld?

Bundeswertpapiere gelten als besonders sichere Anlage. Seitdem die Finanzagentur des Bundes die speziell auf Privatkunden zugeschnittenen Bundesschatzbriefe abgeschafft hat haben Anleger die Wahl zwischen Bundesanleihen, Bundesobligationen und Bundesschatzanweisungen. Zudem emittiert der Bund Anleihen mit eingebautem Inflationsschutz. Bundesschatzbriefe werden seit Anfang 2015 nicht mehr emittiert. Auch der erst 2008 gestartete Versuch mit der "Tagesanleihe"œ des Bundes wurde ebenso wie die Emission der kurzläufigen Finanzierungsschätze eingestellt. Das zuständige Bundesfinanzministerium begründete die Entscheidung im Jahr 2015 auch mit den hohen Kosten und der geringen Nachfrage "“ was maßgeblich auf das niedrige Zinsniveau zurückzuführen ist.

Möglicherweise wird es zumindest Bundesschatzbriefe in der Zukunft wieder geben "“ bis dahin müssen sich Anleger auf die verbliebenen, durchweg an der Börse gehandelten Papiere beschränken. Alle Bundeswertpapiere verbriefen Forderungen gegen die BRD. Die Unterschiede beschränken sich auf die Ausstattung der Schuldverschreibungen im Hinblick auf Laufzeit, Verzinsung und Inflationsbindung.

Bundesanleihen

Bundesanleihen werden bei ihrer Emission mit Laufzeiten von 10 oder 30 Jahren begeben. Die Anleihen werden mit einem festen, jährlichen Zinskupon ausgestattet. Während der Laufzeit ist eine Veräußerung über die Börse sowie durch die Rückgabe zum Kurswert an die Finanzagentur (die Bundesbank erhält dafür eine Provision in Höhe von 0,40 Prozent) möglich. Bei Fälligkeit erfolgt eine Rückzahlung zum Nennwert (100 Prozent). Anleger tragen Kursrisiken, die abhängig von der Restlaufzeit mittel bis hoch sein können. Eine weiterhin erstklassige Bonität der BRD vorausgesetzt beschränken sich die Kursrisiken während der Laufzeit auf Zinsänderungsrisiken. Steigt der Zinssatz am Markt, sinkt der Kurs von (Bundes-)Anleihen. Umgekehrt spiegelt ein sinkendes Zinsniveau höhere Kurse wider. Wie bei allen Anleihen entspricht die effektive Rendite nur dann dem Zinskupon, wenn die Anleihe zum Nennwert (im Jargon: zu pari) gekauft wird. Erfolgt ein Kauf über pari liegt die Rendite unter dem Zinskupon et vice versa. Das Marktumfeld zum Zeitpunkt des Einstiegs spielt deshalb eine große Rolle. ¨hnlich wie bei Festgeld gilt, dass bei sehr niedrigen Zinsen lange Laufzeiten selten empfehlenswert sind.

Bundesobligationen und Bundesschatzanweisungen

Der einzige Unterschied zwischen Bundesobligationen und Bundesanleihen ist die Laufzeit bei Emission, die mit fünf Jahren deutlich kürzer ausfällt und dadurch auch das maximale Kursrisiko deutlich reduziert. Bundesschatzanweisungen sind mit einer Laufzeit von zwei Jahren ausgestattet und dadurch bedingt mit einem sehr geringen Kursrisiko versehen. Auch bei diesem Typ erfolgt die Zinszahlung einmal pro Jahr. Unverzinsliche Schatzanweisungen des Bundes sind ab Emission mit Laufzeiten von 6 oder 12 Monaten ausgestattet. Einen Zinskupon gibt es bei diesen Papieren nicht: Die Verzinsung erfolgt durch den Erwerb der Papiere mit einem Diskont zum Nennwert. So erfolgt der Kauf z. B. zu 97 Prozent des Nennwertes.

Bundeswertpapiere mit Inflationsschutz

Auch der Bund emittiert wie mittlerweile diverse Gebietskörperschaften und Staaten Anleihen mit Inflationsschutz. Diese so genannten inflationsindexierten Wertpapiere sind als Bundesobligation und Bundesanleihe erhältlich. Die Anleihen sind mit einem jährlichen Zinskupon ausgestattet, der neben einer realen Verzinsung einen Inflationsausgleich enthält. Auch der Rückzahlungswert wird an die Inflationsrate gebunden. Als Grundlage für die Inflationsbindung dient der Harmonisierte Verbraucherpreisindex ohne Tabak der europäischen Statistikbehörde Eurostat. Liegt die gemessene Inflationsrate über 0,00 Prozent steigen damit sowohl die jährlichen Zinszahlungen als auch der Rückzahlungswert der Anleihe. Dennoch sichert das Konzept nicht vollständig gegen Kaufkraftverluste ab: Während der Laufzeit preist der Kurs der Anleihe die Inflationserwartungen ein, so dass höhere Inflationserwartungen zu höheren Kursen führen. Fällt die Inflation dann geringer aus als erwartet reduziert dies die effektive Rendite - im schlimmsten (und sehr unwahrscheinlichen) Fall ist sogar eine schlechtere Effektivverzinsung nach Abzug der Inflation als bei konventionellen Anleihen ohne Inflationsschutz möglich.

Bundeswertpapiere und Festgeld im Vergleich

Die besten am Markt erhältlichen Festgeldanlagen mit deutscher Einlagensicherung bieten in der Regel spürbar höhere Renditen als Bundeswertpapiere mit vergleichbarer Laufzeit. Das ist auf Marktprozesse zurückzuführen: Ein kleiner Teil der am Markt tätigen Banken sieht sich temporär immer höheren Refinanzierungskosten gegenüber und zahlt deshalb überdurchschnittliche Zinssätze. Der Bund muss dagegen erfahrungsgemäß selbst bei größerem Emissionsvolumen durch höhere Neuverschuldung oder fällig werdende Anleihen keine höheren Zinsen in Kauf nehmen. Dafür könnten Bundeswertpapiere im Fall größerer Krisen mehr Sicherheit bieten als Festgeldanlagen bei Banken. Die meisten Finanzkrisen betreffen primär den Bankensektor und nur sekundär die öffentlichen Haushalte. Die rechtsverbindliche Einlagensicherung bei Banken ist auf Einlagen bis 100.000 Euro pro Kunde beschränkt. Größere Anlagebeträge könnten bei Turbulenzen wie in der weltweiten Finanzkrise in Gefahr geraten, während Staaten mit einer deutlich geringeren Wahrscheinlichkeit von Zahlungsunfähigkeit bedroht sein dürften. Das gilt insbesondere für Staaten wie die BRD mit einer gemessen an der Wirtschaftsleistung vertretbaren Gesamtverschuldung, vergleichsweise geringer Neuverschuldung und hohen volkswirtschaftlichen Handelsüberschüssen.

Schuldverschreibungen großer Staaten sicherer als Bankeinlagen?

Auch wenn Prognosen in dieser Hinsicht sehr schwierig und mit großen Unsicherheiten behaftet sind spricht einige dafür dass große Anlagebeträge in Schuldverschreibungen von Staaten mit Top-Bonität sicherer sind als bei Banken. Erstens reduziert der deutsche Bankensektor den Umfang der freiwilligen Einlagensicherung in den kommenden Jahren deutlich "“ bislang sind 30 Prozent des maßgeblich haftenden Eigenkapitals einer Bank pro Kunde (!) geschützt, künftig werden es unter 10 Prozent sein. Zweitens deuten Tendenzen in der jüngeren politischen Entwicklung (z. B. die Zypern-Krise im Frühjahr 2015) darauf hin, dass Bankeinlagen im Krisenfall per Gesetz in Eigenkapital umgewandelt werden können um Banken zu stabilisieren.